Das grosse Tafelgedeck

DAS GROSSE TAFELGEDECK

Pierre Philippe Thomire (1751-1843)
Paris, Anfang des 19 Jh.
Sign.: THOMIRE A PARIS
Bronze vergoldet, gegossen, poliert, ziseliert; farbloses Glas, geschliffen
Inv. Nr.: niedrige Obstschale - Wil. 2585/1-8; Étagère - Wil. 2584/1-12; Étagère mit Tänzerinnen - Wil. 2586/1-8; Étagère mit Figuren geflügelter Frauen - Wil. 2587/1-4; Jardiniere - Wil. 2755/1-3; Jardiniere / Leuchter für 12 Kerzen - Wil. 3434

Das große Tafelgedeck aus vergoldeter Bronze ist ein Werk von P. P. Thomire, dem größten französischen Bronzebildhauer um die Wende zum 18. Jahrhundert. Es gehört zu der einzigen polnischen, so zahlreichen Sammlung bronzener Schmuckgefäße. Diese Tischdekoration im Empirestil erwarb Stanisław Kostka Potocki für Wilanów, einer Notiz in seinem Geschäftlichen Tagebuch zufolge, während seines Aufenthaltes in Paris. Diese Garnitur umfasst vier verschiedene Gruppen von Obstschalen sowie Schmuckjardinieren.


Pierre Philippe Thomire war ein Schüler von Pierre Gouthier, dem herausragenden Bronzebildhauer, dem die Erfindung eines chemischen Verfahrens zur Mattvergoldung von Bronze zugeschrieben wird. Er wurde 1751 in Paris geboren. In den Jahren 1776-1823 führte er seine eigene Werkstatt. Hoch geschätzt für sein vortreffliches bildhauerisches Talent, arbeitete er von Anfang an mit der Manufaktur in Sevres zusammen, wo er das dort hergestellte Porzellan in vergoldete Bronze einfasste. Gleichzeitig fertigte er zahlreiche Werke im Auftrag von König Ludwig XVI. sowie der größten europäischen Höfe an. Typische Produkte aus Thomires Werkstatt waren modische Tischdekorationen, Beleuchtungselemente und Uhren. Seine besten Muster wurden mehrmals nachgemacht.

Beim Kauf dieser Garnitur spielten für Stanisław Kostka Potocki viele Faktoren eine Rolle. Zu jener Zeit hatte das französische Kunsthandwerk das höchste Niveau des Geschmacks und der Vollendung erreicht. Die Verwüstungen und Zerstörungen infolge der Französischen Revolution sowie das Bedürfnis nach einer würdigen Ausstattung für die neue kaiserliche Macht hatten zum Wiederaufblühen dieses Kunstzweigs beigetragen, insbesondere im Bereich des Innendekors und der Einrichtung. Silber und vergoldete Bronze wurden zu besonders hoch geschätzten Materialien für Schmuck.

Reich verzierte Tafelgedecke (franz. surtout-de-table) sind an der Schwelle zum 19. Jahrhundert ein geradezu obligatorisches Element der Tischdekoration geworden. Eine Garnitur von Tischgefäßen bestand in der Regel aus Obstschalen, Jardinieren, Körben und Leuchtern, die manchmal auf miteinander verbundenen, mit einer Galerieumrahmung umfassten Spiegeltafeln aufgestellt wurden.