Ziertablett mit der Szene des Triumphzuges von König Jan III

Ziertablett mit der Szene des Triumphzuges von König Jan III

Johann Gottfried Holl (tätig in den Jahren 1678-1689, die Werkstatt führte 1689-1701 seine Witwe weiter)
Danzig, Polen 1683
Sign.: Punze des Goldschmiedes, Punze der Stadt Danzig
Silber, vergoldet, repoussiert, poliert, in einigen Fragmenten halbvolles Relief; 61 x 77 cm
Inv. Nr.: Wil. 500

Das Tablett mit der Szene all'antica auf dem Spiegel stellt den Triumphzug von König Jan III. nach der Schlacht vor Wien dar. Diese Szene knüpft an die feierlichen Triumphe römischer Herrscher an. Das königliche Paar sitzt nach antiker Art im vierrädrigen Siegeswagen. Der König trägt einen Lorbeerkranz auf dem Kopf, der Ruhm und Ehre symbolisiert; in seiner rechten Hand hält er ein Symbol des Führers. König Jan wird von der Königin begleitet, als einer Person, die die Herrschaft mit ihm teilt und ihm am nächsten steht. Den mit vier Pferden bespannten Triumphwagen führen die Stadtvertreter. Die Pferde symbolisieren die dem König zugeschriebenen Tugenden: Tapferkeit, Unerschrockenheit, eine beispielhafte Lebensführung und Liebe zum Vaterland. Neben dem Siegeswagen schreitet ein türkischer Kriegsgefangener, den ein Junge mit Hund führt. Die Figur des Jungen ist eine Metapher des Gehorsams, der Willfährigkeit und der Liebe der Untertanen und Stifter zum sieghaften Herrscher und Führer. Den Rand des Tabletts bedeckt eine reiche Verzierung mit Motiven der Kriegstrophäen - Rüstungen, Kanonen, Spieße, Piken, Fahnen etc. Das Tablett stammt aus der Werkstatt des Danziger Goldschmieds Johann Godfried Holl.

Den aus Wien im Siegesruhm zurückkehrenden König Jan III. begrüßten Würdenträger und Hofleute an der Grenze zum polnischen Staat. Unter ihnen waren auch die Krakauer Ratsherren Adam Drużyński und Paweł Fryznekier, die die Einwohner von Krakau vertraten. Nach der Überlieferung überreichten sie dem König am 23. Dezember 1683 dieses mit Gold gefüllte Tablett, das seinen triumphalen Einzug in die Stadt Krakau zeigte. Einer anderen Überlieferung zufolge wurde dem König das Tablett durch die Danziger während seines sechs Monate langen Aufenthaltes in dieser Stadt geschenkt.

Dieses Geschenk wurde in Wilanów, in einem der Schränke der königlichen Garderobe aufbewahrt. In diesem Raum waren sogenannte polnische Altertümer und wertvolle Erzeugnisse der europäischen Kunst sowie Andenken an König Jan und seine Frau Maria Kazimiera untergebracht. Heutzutage ist das Tablett im Schlafzimmer des Königs in Wilanów ausgestellt.